„Es ist das Heilen, das uns menschlich und voll und ganz menschlich macht, wenn wir eine ganzheitliche Behandlung verwirklichen.“
(G. Bormolini)

Studien zeigen uns, dass eine frühzeitige und gleichzeitige Berücksichtigung aller Dimensionen des Menschen (körperlich, psychisch, spirituell) zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität von Menschen führt, die mit einer schweren Krankheit konfrontiert sind. Insbesondere sonst oft vernachlässigte Dimensionen wie die spirituelle Begleitung können sich als echte therapeutische Ressource erweisen. Doch was gehört konkret zur spirituellen Dimension? Die Antwort ist komplex; es handelt sich um eine Dimension, die wir meist eher eingrenzen als beschreiben können. Die Unbeschreibbarkeit macht sie jedoch nicht unerkennbar, sondern verortet sie lediglich an einem anderen Ort, an dem das Instrument der Erkenntnis ein ganz anderes ist: Sie verortet sie in der Dimension des Geheimnisses. Wenn wir selbst, der Andere und das Höhere ein Geheimnis sind, betreten wir grenzenlose Räume, in denen alles Wunder ist, alles neu ist und nicht definiert werden muss, sondern gelebt werden will. Und während wir darauf warten, lassen wir in uns ein Feuer der Liebe und der Fürsorge lodern, eine Sonne, an der wir uns laben, um den nach Leben Durstigen zu trinken zu geben.

Guidalberto Bormolini

Als Anthropologe und Thanatologe ist er geweihtes Mitglied und Priester einer christlichen Meditationsgemeinschaft: der ‚Ricostruttori nella preghiera al Borgo‘. Als Absolvent der Päpstlichen Universität Gregoriana besitzt er eine Lizenz in Theologischer Anthropologie und ist Doktorand in Spiritueller Theologie an der Universität St. Anselm. Er ist spezialisiert auf die spirituelle Begleitung Sterbender und hält Vorlesungen im Masterstudiengang ‚Death Studies & the End of Life‘ an der Universität Padua sowie im Masterstudiengang ‚Kindness in the Care Relationship‘ am Universitätsklinikum Meyer in Florenz.