Integrative Medizin: Erfahrungen mit Shiatsu im Krankenhaus Bellaria-Poliklinikum S. Orsola-Malpighi
PROF ANTONIA PARMEGGIANI e STEFANIA FERRI
„CORPI RI-SENTITI“. Psychonutritionale Rehabilitation und Shiatsu: Erkenntnisse aus der zehnjährigen multimodalen Erfahrung in Bologna
Prof. Antonia Parmeggiani (Dozentin für Kinderneuropsychiatrie – Universität Padua) und Stefania Ferri, Shiatsu-Praktikerin und -Lehrerin.
Zusammenfassung
Die verfügbaren klinischen Erkenntnisse, wenn auch noch begrenzt, deuten auf ein vielversprechendes therapeutisches Potenzial von Shiatsu als ergänzende Maßnahme im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie hin.
Ziel dieser Studie ist es, die möglichen integrativen therapeutischen Wirkungen von Shiatsu bei einer Population von Kindern und Jugendlichen mit Ess- und Ernährungsstörungen zu untersuchen. Die Shiatsu-Sitzungen wurden wöchentlich bei Patienten durchgeführt, die im Regionalzentrum für Ess- und Ernährungsstörungen im Entwicklungsalter (Centro Regionale per i DNA in età evolutiva) in Bologna stationär behandelt wurden. Vor und nach jeder Sitzung wurden die Patienten gebeten, eine Zeichnung ihres Körpers anzufertigen, eine visuell-analoge Darstellung etwaiger somatischer Schmerzen zu liefern und die wahrgenommenen somatischen Beschwerden sowie ihren subjektiven emotionalen Zustand schriftlich festzuhalten. Wir haben daher das Material von 50 Patienten mit einer vorwiegend diagnostizierten restriktiven Anorexia nervosa analysiert.
Eine vorläufige Analyse dieser Daten legt nahe, dass Shiatsu die somatischen Symptome der Patienten der betrachteten Fallgruppe verbessern kann. Darüber hinaus zeigte die Analyse der Entwicklung der projektiven Daten eine fortschreitende Verfeinerung der Details des Körperbildes.
Aus der durchgeführten Analyse ergibt sich ein wahrscheinlicher positiver Effekt von Shiatsu auf den Prozess der Entwicklung des Körperbewusstseins der Patienten. Die gewonnenen Ergebnisse stehen im Einklang mit der Literatur, die sich mit den Themen Enterozeption, affektive Berührung und C-taktile Fasern im Zusammenhang mit Essstörungen befasst.
Die vorliegende Studie stellt bislang den ersten systematischen Versuch dar, die Wirksamkeit einer komplementärmedizinischen und körperorientierten Intervention auf die Psychopathologie von Ernährungs- und Essstörungen im Entwicklungsalter zu bewerten.
Diese Ergebnisse eröffnen neue Forschungsperspektiven, die darauf abzielen, die zugrunde liegenden ätiopathogenetischen Mechanismen zu klären und zu bestätigen, ob diese Shiatsu-Protokolle Merkmale aufweisen, die mit denen der affektiven Berührung vergleichbar sind.
IRCCS Institut für Neurologische Wissenschaften in Bologna, Regionales Zentrum für
Ernährungs- und Essstörungen im Entwicklungsalter, U.O.C. Neuropsychiatrie im
Kinder- und Jugendalter, Bologna, Italien
Fachbereich für Medizinische und Chirurgische Wissenschaften (DIMEC), Universität Bologna, Italien
